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Mein Kind ist orientierungslos und hat keine Beine

29. Januar 2008
Vor meiner Haustür findet seit Monaten allmorgendlich ein Trauerspiel statt. Auf der meinem Häuschen gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die Grundschule Wildau. Den Schulhof betreten die Kiddies über ein Tor, welches über meine kleine Straße, im übrigen eine Sackgasse, zu erreichen ist. Am Straßenrand parken die Anwohner, so dass nur eine Spur das Befahren ermöglicht.

Verantwortungsbewusste Eltern bringen die Kinder mit ihren Autos natürlich direkt vor das Tor, obwohl die diese Sackgasse kreuzende Fichtestraße eine bessere und weitaus sichere Ausstiegsmöglichkeit bietet. Jedoch kann man den Grundschülern keine 20m Fußweg zumuten. Und Bewegung schadet ja bekanntlich den Fettpolstern, die in diesem harten Winter essenziell für das Überleben des Nachwuchses sind. Ferner können sich die kleinen Schulranzenträgen ausgezeichnet in Reaktions- und Ausweichvermögen üben, wenn entgegen kommende Fahrzeuge auf den Gehweg ausweichen. Käthe Kollwitz würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste, dass morgens auf der nach ihr benannten Straße Stumpfsinnigkeit und respektlose Bequemlichkeit regieren.

Dass ich oftmals mehrer Minuten auf eine Möglichkeit zum Ausparken warte, da Mutti ja noch aus dem die Fahrbahn blockierenden Familien-Van aussteigen, den Schulranzen bis zum Tor tragen und letztlich noch das Mitführen der Schulbrote kontrollieren muss, fällt da kaum noch ins Gewicht. Auf Verständnis oder gar Einsicht der Eltern braucht man hier in keinster Weise hoffen.

Wenn sich dort nicht bald mal etwas bessert, werde ich eines Tages ganz spontan kurz vor Schulbeginn mein Auto quer zur Fahrbahn vor dem Tor postieren und in aller Ruhe meine Sommerreifen aufziehen. Ohne Wagenheber!

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