Archiv für Juni 2007

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Jugendliche haben ‘ne Scheibe!

29. Juni 2007
Mein kleines aber feines Büro ermöglicht den Blick in einen mit Glas verspiegelten, die Sicht auf den Rest von Adlershof unmöglich machenden Innenhof in unserer großartigen Bundeshauptstadt. In einem kurzen Moment der Überlegung habe ich heute den Blick in gerade diesen quadratischen Hof schweifen lassen und wurde ungewollt Zeuge von animalischer Dummheit.

Seit Wochen treiben sich junge Tauben in unserer von Bürokratie gesäumten grünen Oase herum. Mama und Papa würgen mehrmals täglich verschiedenste Insekten für den Nachwuchs hervor. Hätten sie doch nur mal ein wenig Lebenserfahrung anstelle von Fliegen und Mücken im Kropf. Seit gestern gibt es die ersten Flugversuche der unerfahrenen Vögel. In ihrer schreckhaften Art, lassen sich die ornithologischen Teenager von einem simplen Fensterschließen derart beeindrucken, dass sie ,wie als hätte man einem Vietnamesen vor dem Sparmarkt seinen Polizei-Dienstausweis gezeigt, die Flucht ergreifen und zunächst versuchen, die 4 Stockwerke bis in die Freiheit zu überwinden. Seit zwei Tagen hat die Tauben-Schule geschlossen und die Klasse scheint erst bei der Ziffer 3 angelangt zu sein. Es jagt mir jedes mal einen Schauer über den Rücken, wenn meine unerfahrenen eleganten Großstadtvögel in der zweiten oder dritten Etage gegen die Fenster knallen. Glücklicherweise gibt es in jedem Stockwerk unterhalb der Fenster einen kleinen Gitterrost, der den Unglückspiloten einen Platz zum gründlichen Überdenken ihres Kurztrips einräumen. Wie gern würde ich den kleinen Scheißerchen mal Lektüre vom Herrn Pawlow zur Verfügung stellen. Denn schlauer sind sie bisher nicht geworden.

Der englische Name für Taube, nämlich Dove, ist gar nicht soweit vom Wort „doof“ entfernt. Die haben’s rhetorisch drauf, die Briten…

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Raubkopierer töten Maisbauern

26. Juni 2007
Verbrennt das Kyoto-Protokoll!

Gestern öffnete Rick Cotton von NBC/Universal der Welt die Augen:

Weder die globale Klimaerwärmung noch gentechnisch manipulierte Pflanzen sondern vielmehr das illegale Verbreiten von Filmkopien im Internet ist Schuld an der miserablen Lage der Maisbauern in den USA. Dass diese nun teilweise nach Feierabend mit ihren Traktoren in die oftmals hunderte Meilen entfernten Städte reisen und dort wohlhabende Raubkopierer anbetteln müssen, ist traurige Realität geworden.

Grund: Durch die sinkende Zahl von Kinobesuchern sind auch die Umsätze beim Verkauf von Popcorn drastisch gesunken. Würde man die Millionen Online-Tauschbörsennutzer endlich hinter Schloss und Riegel bringen können, stiege umgehend die Anzahl der Film-Gucker und Popcorn-Schmeißer und den Bauern ginge es wieder gut.

Vermutlich werden nun in absehbarer Zeit die Bosse großer Getränke- und Gummibärchenkonzerne den Dritt- und/oder Viertwagen verkaufen müssen, um sich auch weiterhin die allabendliche Havanna, den Champagner und ab und zu ein Freundenmädchen leisten zu können.

In Zeiten, da Raubkopierer fünf Jahre Haft absitzen müssen, Kinderschänder und sonstige Gewaltverbrecher jedoch auf Bewährung verurteilt oder gar freigesprochen werden, stellt sich mir die Frage nach der Machtverteilung: Staat oder Wirtschaft?!
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Marmor, Stein und Eisen bricht…

12. Juni 2007

… aber diese Brötchen nicht!

Arbeitszeitverlagerung aufgrund der brütenden Sommerhitze ist was feines. Ich weiß das zu schätzen. Jedoch bringt diese körperschweißminimierende Maßnahme einen mir erst heute Morgen bewußt gewordenen Nachteil mit sich:

Wo bekomme ich vor 8.00 Uhr meine lebensnotwendigen Backwaren sowie den obligatorischen Schöneweide-Bürogebäude-Pendel-Kaffee her?!

Der temporäre Kaffeeentzug ließ sich aufgrund der bereits am frühen Morgen gnadenlos Backofenatmosphäre schaffenden Sonne gerade noch verschmerzen. Aber einen ganzen Arbeitstag ohne „was zwischen de’ Kiemen“?

Erfreulicher Weise öffnete jedoch schon vor einiger Zeit ein 2 m² Kiosk direkt in der Einflugschneise zum Arbeitsamt Treptow-Köpenick seine Pforten. Mein Tag scheint gerettet. Als Nicht-ALGII-Empfänger und somit ausgeschlossen vom Kreis der Kiosk-Zielgruppe war mir zwar ein wenig mulmig zu Mute, mein Magen machte jedoch entscheidungserleichternd lautstark von seinem doppelten Stimmrecht gebrauch.

„Zwei Brötchen, bitte.“ …. „nein danke, ohne Wurst, ohne Boulette, Brötchen pur!“. Als treuer Nicht-Kunde des Lokals konnte ich nicht wissen, dass der Begriff Brötchen in HartzIV-Geheimsprache Ziegelstein bedeutet. Im Nachhinein bin ich zutiefst erschüttert, dass man mich bei Aushändigung der Ware nicht nach meinem Sportwaffenschein gefragt und dessen Vorlage verlangt hat.

Beruhigend zu wissen: Falls ich einmal ein Brecheisen benötigen sollte, werde ich mir dort einfach eine Bockwurst für ‘nen Euro bestellen…

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MEMA macht Feierabend!

11. Juni 2007
Nun ist es offiziell. Was sich wochenlang schleichend ankündigte, wird nun harte Realität: MEMA Wildau macht Schluss! Zunächst ignorierte ich die rückgebauten Regale in meinem Lieblingssupermarkt. Ich vermutete eine Anpassung der Einrichtung an die Arbeitskräfte: halbe Kraft. Als jedoch sogar die Penner und angetrunkenen Jugendlichen als Kunden ausblieben, regte sich in mir ein schlimmer Verdacht. Exklusivität der Produktpalette? Konzentration auf überteuerte Meeresfrüchte in verbeulten Konserven und halb verfaultes Obst? Wäre denkbar gewesen. Der Schimmer Hoffnung in meiner Überlegung erlosch jedoch am heutigen Spätnachmittag, als mir desillusionierend ein fußballfeldgroßes Plakat die Netzhaut vergraute: Wir schließen! Alle Produkte um 20% reduziert (außer Tiernahrung)!

Am Arsch! Diese zwei (das Leben der Mehrheit aller MEMA-Kunden ausreichend beschreibenden) Worte schossen mir durch meinen Kopf. Nur 20%! Mehr nicht?! Außerdem kaufe ich vom Rabatt ausgenommene Tiernahrung im Aktionszeitraum im Baumarkt!

Ich weine den lieben Kassiererinnen eine halbe Träne nach. Schließlich waren sie allzeit um das Wohl (und einen möglichst langen Aufenthalt an der Kasse) der Kunden bemüht. Vergaß man die halbe Orange zu wiegen, vergaßen die Damen selbstlos ihren trüben Alltag und eilten mit Südfrucht und Tüte hinüber zur betagten Waage, um dem Produkt schnellstmöglich doch noch einen Warenwert zu verpassen. Ich habe oftmals absichtlich nicht abgewogen, um diese 15 Minuten Ruhe an der Kasse in vollen Zügen zu genießen.

Ich schlafe schlecht und werde wohl nicht eher zur Ruhe kommen, bis ich weiß, welche Unternehmensgruppe diesen wundervollen Markt mit seinen einladend grauen Steinfliesen und seiner urinfarben-neonähnlichen Beleuchtung wieder zum Leben erweckt.

Bleibt eines zu klären: was zum Teufel heißt MEMA ???